Aktuelles aus der Stadt: Stadt Steinheim an der Murr

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40 Jahre Wellarium - Teil 2

Artikel vom 20.05.2021
Im Schwabenalter eine Artikelserie um die Geschichte des Freibads noch einmal Revue passieren zu lassen

Der 40. ist im Ländle ein ganz besonderer Geburtstag und das gilt auch für das Wellarium. Zwar sind Festlichkeiten zum Eintritt ins Schwabenalter aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht möglich, doch soll das Jubiläum auf Initiative der Bürgermeister Thomas Winterhalter und Torsten Bartzsch durch eine Artikelserie in den Amtsblättern Steinheim und Murr hervorgehoben werden. In loser Folge lassen die beiden Trägerkommunen so die Geschichte des Freibads noch einmal Revue passieren.

Teil 2 - Gut Ding braucht Weil

Schon lange bevor die Baupläne konkrete Gestalt annahmen, bestand sowohl in Murr als auch Steinheim der zeitweilige Wunsch nach einem Freibad. Doch andere Aufgaben waren zunächst wichtiger. In den siebziger Jahren mit Gründung des Gemeindeverwaltungsverbandes wurde die Idee eines gemeinsamen Freibadbaus entwickelt.

Bereits in den 1930er und 40er Jahren war eine Badeanlage Diskussionsthema in Steinheim, doch dann wurden sämtliche Ideen erst einmal wieder ad acta gelegt. In Murr weckte die Zeit des Wirtschaftswunders den Wunsch nach einem eigenen Bad. Die Mundelsheimer hatten 1953 ihr bis heute bestehendes Freibädle eröffnet, auch in Großbottwar und Erdmannhausen gab es in den 1950er Jahren einfache Freibäder mit Betonbecken. Da wollte man mithalten, ein örtlicher Unternehmer spendete sogar schon 10.000 Mark. Doch andere Aufgaben waren zunächst wichtiger.
Erst in den 1970er Jahren griffen beide Kommunen das Thema wieder auf. Damals wurde die Gemeindereform durchgeführt, in deren Zug Steinheim die Dörfer Kleinbottwar und Höpfigheim eingemeindete. Für Murr gab es nur die Wahl zwischen Zwangseingemeindung und Gründung eines Gemeindeverwaltungsverbands (GVV) mit der Nachbarstadt. Man entschied sich für letzteres. Ein GVV macht natürlich nur dann Sinn, wenn man auch gemeinsame Aufgaben hat. Es wurde überlegt, was Steinheim und Murr zusammen in Angriff nehmen könnten. „Schule, Feuerwehr oder Bauhof wollte man nicht zusammenlegen“, erzählt der damalige Murrer Bürgermeister Manfred Hollenbach, der von 1972 bis 2012 sein Amt innehatte. „So entschied man sich schließlich für ein Freibad.“ Bei der Gründung des GVV Steinheim – Murr wurde 1975 der Bau eines Bades als gemeinsame Aufgabe in die Verbandssatzung aufgenommen.

Bäderkrieg im Bottwartal

Im Juni 1976 fasste die Verbandsversammlung den Grundsatzbeschluss, eine Freibadanlage zu bauen. Die Konkretisierung der Pläne führte im Frühjahr 1977 unter den Bürgermeistern der Bottwartalkommunen zu einem so leidenschaftlichen Streit über die grundsätzliche Standortfrage von Hallen- und Freibädern, dass die Lokalpresse wochenlang vom „Bäderkrieg im Bottwartal“ zehren konnte.
Oberstenfeld fürchtete die Konkurrenz für sein 1975 eröffnetes Freibad Oberes Bottwartal. Großbottwar erinnerte daran, früher schon einmal Standort eines Freibads gewesen zu sein. „Und Marbach pochte auf seine Größe und erklärte, ein Bad gemeinsam mit Erdmannhausen bauen zu können“, erinnert sich Manfred Hollenbach. „Es ging bei diesen Eifersüchteleien natürlich auch um Geld, denn für den Bau eines Bades gab es Zuschüsse.“
Steinheim und Murr schafften es, den Streit durch Zugeständnisse zu schlichten. So versprach man, den Schwerpunkt auf ein Familienfreizeitbad zu legen und nicht auf den sportlichen Aspekt wie Oberstenfeld. Auch verzichtete der GVV auf eine Rutsche, dafür sollte das neue Bad buchstäblich Wellen schlagen. Und die Marbacher Nachbarn waren beruhigt, dass es kein Hallenbad werden sollte.
Nicht nur bei der Auseinandersetzung mit ihren Amtskollegen brauchten Manfred Hollenbach und sein Steinheimer Amtskollege Alfred Ulrich starke Nerven. Die Kommunen hatten sich zwar problemlos auf den für alle gut erreichbaren Standort geeinigt, aber die Grundstücksverhandlungen mit den rund 50 privaten Besitzern waren alles andere als einfach. Doch schließlich konnte das Gelände erworben werden, knapp die Hälfte der 4,6 Hektar großen Fläche wurde im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens zugeteilt.
Beate Volmari