Waldrundgang mit dem Gemeinderat
Noch vor der Sommerpause traf sich der Steinheimer Gemeinderat zum jährlichen Waldrundgang im Hardtwald bei Kleinbottwar. Revierförster Jürgen Weis führte gemeinsam mit Simon Boden vom Fachbereich Wald des Landratsamtes durch den Wald. Mit dabei waren Bürgermeister Thomas Winterhalter, Vertreter der Stadtverwaltung sowie die Jagdpächter. Auf dem rund einstündigen Rundgang wurde deutlich, wie konsequent im Hardtwald bereits seit rund 30 Jahren auf eine nachhaltige und klimaangepasste Waldbewirtschaftung gesetzt wird.
Vom Fichtenwald zum klimaangepassten Mischwald
Die Stürme Wiebke (1990) und Lothar (1999) führten zu großen Schäden in den Fichtenbeständen und machten die Anfälligkeit gleichförmiger Wälder deutlich. Seither wird der Wald Schritt für Schritt zu einem standortgerechten und strukturreichen Mischwald umgebaut. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Naturverjüngung. Auf einer Fläche, auf der nach Schädlingsbefall Fichten entfernt werden mussten, wachsen inzwischen zahlreiche junge Bäume verschiedener Arten von selbst nach. Ein für fünf Jahre errichteter Zaun schützt die jungen Pflanzen vor Wildverbiss. Auch Tiere wie der Eichelhäher tragen zur natürlichen Verbreitung von Baumarten bei, indem sie beispielsweise Eicheln verstecken.
Der Vorteil der Naturverjüngung: Die jungen Bäume haben sich unter den Bedingungen des jeweiligen Standorts entwickelt. Die Forstwirtschaft begleitet und steuert diesen Prozess gezielt. So entsteht ein vielfältiger Wald, der besser mit zunehmender Hitze und Trockenheit umgehen kann. Während der Fichtenanteil früher bei rund 40 Prozent lag, beträgt er heute nur noch etwa 10 Prozent. Ergänzt werden die Fichten unter anderem durch Eichen, Feldahorn, Douglasien, Kirsche, Elsbeere, Hainbuchen und Birken. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne „Zukunftsbaumart“, sondern eine möglichst breite Mischung. So können andere Baumarten einspringen, wenn einzelne Arten durch Trockenheit, Krankheiten oder Schädlinge geschädigt werden.
Totholz als wichtiger Lebensraum
Auch Alt- und Totholz hat einen festen Platz im nachhaltigen Waldkonzept. Abgestorbene Bäume bieten Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten, Pilze, Vögel und andere Organismen. Gleichzeitig werden Nährstoffe durch die natürliche Zersetzung wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Im Rahmen des Alt- und Totholzkonzepts des Landes Baden-Württemberg wird deshalb auch im Hardtwald darauf geachtet, ökologisch wertvolle Strukturen im Wald zu erhalten und gezielt zu fördern.
Nachhaltige Nutzung
Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung schließen sich dabei nicht aus. Durch gezielte Durchforstung erhalten vitale Bäume mehr Raum für ihre Entwicklung. Gleichzeitig liefert die Holzernte einen nachhaltigen Rohstoff und trägt zur Finanzierung der Waldpflege bei. Im Hardtwald werden derzeit rund 200 Festmeter Holz pro Jahr geerntet.
„Unsere Hauptaufgabe ist es, den Wald so zu bewirtschaften, zu durchforsten und zu pflegen, dass er sich bestmöglich an die sich bereits spürbar verändernden klimatischen Bedingungen anpassen kann“, fasste Förster Weis zusammen. Entscheidend seien eine vielfältige Baumartenmischung, natürliche Verjüngung und eine gezielte Pflege. Dabei sei die gute Zusammenarbeit von Forstverwaltung, Jägerschaft und den beteiligten Kommunen besonders wichtig.
Die Grundsteine sind gelegt
Der Rundgang zeigte: Der Waldumbau ist eine langfristige Aufgabe, bei der Natur und menschliche Steuerung zusammenspielen. Naturverjüngung und vielfältige Baumarten, gezielte Durchforstung, der Schutz junger Bäume sowie der Erhalt von Alt- und Totholz sind wichtige Bausteine für einen klimaangepassten Wald. In Steinheim wird dieser Weg bereits seit Jahrzehnten verfolgt. An vielen Stellen ist das Ergebnis schon sichtbar: ein vielfältiger, strukturreicher Mischwald, der besser auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet ist.
Zum Abschluss waren die Teilnehmenden von den Jagdpächtern zu einem gemütlichen Beisammensein in der Jagdhütte eingeladen. Stadtrat Andreas Sumser sorgte mit frisch Gegrilltem – darunter auch Würstchen aus heimischem Wild – für einen geselligen Ausklang.


