Tag der Städtebauförderung: Großes Interesse
Tag der Städtebauförderung - Zahlreiche Bürger:innen informieren sich vor Ort
Mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger kamen am Freitagnachmittag auf den Kirchplatz und nutzten die Gelegenheit, sich direkt vor Ort über aktuelle Bauprojekte, Planungen und Perspektiven für die Innenstadt zu informieren. Gemeinsam mit dem Bund der Selbstständigen (BdS) hatte die Stadt anlässlich des Tags der Städtebauförderung zu einem Stadtspaziergang durch das Sanierungsgebiet in der Innenstadt mit anschließendem Baustellenfest eingeladen.
Bürgermeister Thomas Winterhalter und Mark Unsöld, der Vorsitzende des BdS, begrüßten die Teilnehmenden und betonten die besondere Bedeutung des Formats. Der Stadtspaziergang solle dazu beitragen, die Innenstadt trotz der aktuellen Baustellensituation lebendig zu halten, Verständnis für die notwendigen Einschränkungen zu schaffen und zugleich Transparenz über die laufenden und geplanten Maßnahmen zu vermitteln. Vor allem aber stehe der direkte Austausch mit der Bürgerschaft im Mittelpunkt.
Tiefbauarbeiten und Wärmenetz im Fokus
Zu Beginn erläuterte Bürgermeister Winterhalter das derzeit größte Infrastrukturprojekt in der Innenstadt: die Tiefbauarbeiten in der Marktstraße. Aufgrund der komplexen Bauarbeiten bleibt der Abschnitt voraussichtlich noch bis Ende August gesperrt. Neben großen Schmutz- und Regenwasserkanälen müssen auf engem Raum und um mehrere Straßenecken herum zahlreiche weitere Rohre und Leitungen verlegt werden. Ziel sei es, die teils jahrzehntealte Infrastruktur grundlegend zu erneuern und zugleich die Überflutungsgefahr bei Starkregen durch deutlich größer dimensionierte Kanäle zu reduzieren.
Als Vorteil hob Winterhalter hervor, dass die Baustelleneinrichtung direkt neben der Baustelle auf dem Marktplatz erfolgen könne. Dadurch lasse sich zusätzlicher Baustellenverkehr in der Innenstadt vermeiden. Auch der weitere Ausbau des Wärmenetzes war Thema. Für das Gesamtprojekt erhält die Stadt Fördermittel in Höhe von 6,6 Millionen Euro. Damit werden 80 Prozent des Netzausbaus sowie 40 Prozent der Energieerzeugung gefördert.
Auf eine Rückfrage aus dem Teilnehmerkreis erklärte Winterhalter, dass perspektivisch auch eine Fortführung des Wärmenetzausbaus über die Lammgasse hinaus denkbar sei. Da die Infrastruktur auch entlang der Rielingshäuser Straße langfristig erneuert werden müsse, könne die Fernwärme dort künftig mit eingeplant werden. Konkrete Beschlüsse hierzu gebe es allerdings noch nicht; zudem seien weitere Genehmigungen erforderlich.
Rathausneubau als wichtige Zukunftsentscheidung
Ein weiterer Schwerpunkt des Rundgangs war der geplante Rathausneubau. Der Gemeinderat hatte sich nach intensiven Beratungen und sorgfältiger Abwägung einstimmig für den Neubau entschieden. Für die Einstimmigkeit bei dieser wichtigen Entscheidung sei er dem Gemeinderat sehr dankbar, betonte Winterhalter. Hintergrund der Planungen ist der dringend sanierungsbedürftige Zustand des denkmalgeschützten alten Rathauses. Der neue Verwaltungssitz soll nach derzeitiger Planung rund 23 Millionen Euro kosten.
Winterhalter hob hervor, dass der ursprüngliche Entwurf nochmals grundlegend überarbeitet worden sei, um Kosten einzusparen. So habe der Wechsel von einer Holz-Hybrid-Bauweise hin zu einem Betonbau Einsparungen von rund einer Million Euro ermöglicht.
Derzeit wartet die Stadt auf die Prüfung des eingereichten Baugesuchs durch das Landratsamt. Um den Zeitplan halten zu können, wird möglicherweise eine Teilbaufreigabe beantragt, damit die Gründungsarbeiten bereits im Herbst 2026 beginnen können. Hierfür müssten zunächst rund 65 Bohrpfähle gesetzt werden, um auf dem Schwemmland einen tragfähigen Untergrund zu schaffen. Der eigentliche Hochbau soll dann Anfang 2027 starten. Ziel sei ein Umzug der Verwaltung im Herbst 2028.
Auch beim Thema Rathausneubau entwickelte sich ein sachlicher und konstruktiver Dialog. So wurde unter anderem die Parkplatzsituation rund um das künftige Rathaus angesprochen. Winterhalter verwies darauf, dass in der Innenstadt rund 750 fußläufig erreichbare Parkplätze auf Parkierungsanlagen und im öffentlichen Straßenraum vorhanden seien. Zusätzliche Flächen stünden nicht zur Verfügung, für Menschen mit eingeschränkter Mobilität seien jedoch entsprechende Stellplätze in der Nähe des Neubaus vorgesehen.
Alte Kelter könnte Kulturzentrum werden
Weitere Station des Spaziergangs war die Alte Kelter. Dort plant die Stadt, mehrere öffentliche Nutzungen an einem Ort zusammenzuführen. Vorgesehen sind unter anderem Räume für das Urmensch-Museum, die Bibliothek sowie ein Veranstaltungsbereich als Ersatz für die sanierungsbedürftige Blankensteinhalle. Die Umsetzung hängt maßgeblich von Fördermitteln ab, deren Beantragung derzeit vorbereitet wird. Winterhalter machte deutlich, dass die Bündelung der Nutzungen entscheidend sei, um langfristig möglichst viele der städtischen Angebote erhalten zu können.
Wohnprojekt am Gästehaus Lamm
Zum Abschluss informierte die Verwaltung am Gästehaus Lamm über Pläne für zusätzlichen Wohnraum in zentraler Lage. Im Rahmen der Initiative „Junges Wohnen“ liegt bereits eine Förderzusage in Höhe von rund 370.000 Euro vor. Neben günstigem Wohnraum für Auszubildende sollen im ehemaligen Gästehaus durch eine grundlegende Sanierung und Umgestaltung sechs klassische Wohneinheiten entstehen. Noch vor der Sommerpause sollen die gesamten Kosten ermittelt sein und das Sanierungsprojekt durch den Gemeinderat angestoßen werden.
Städtebauförderung stärkt weitere Entwicklung
Positiv bewertete Winterhalter zudem die erneute Aufstockung der Städtebauförderung. Für das laufende Sanierungsgebiet wurden in diesem Jahr weitere 1,2 Millionen Euro bewilligt, nachdem die Fördermittel bereits 2025 um 1,5 Millionen Euro erhöht worden waren. Die Unterstützung sei ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung der Innenstadt und für Projekte wie den Rathausneubau, die Entwicklung des Lamm-Areals oder das geplante Kulturzentrum in der Klosterkelter.
Dabei machte Winterhalter zugleich deutlich, dass die Entwicklung der Innenstadt Zeit brauche. Ziel sei es, die historische Bausubstanz langfristig zu erhalten und zu sanieren, neue Nutzungen zu schaffen und die Aufenthaltsqualität langfristig zu stärken. Auch zusätzliche gastronomische Angebote seien ausdrücklich erwünscht – entscheidend sei jedoch, dass sich geeignete Investoren und Betreiber finden.
Geselliger Ausklang und positives Fazit
Nach dem offiziellen Teil kehrte die Gruppe auf den Kirchplatz zurück. Dort sorgten der Verein der Freien Wähler und der BdS mit "Roten", Schnitzel-Weck und kühlen Getränken für einen geselligen Ausklang. In lockerer Atmosphäre wurde weiter diskutiert, nachgefragt und sich ausgetauscht.
Der Stadtspaziergang zeigte eindrucksvoll, welchen Wert persönliche Begegnungen und ein offener Dialog zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Gemeinderat haben. Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmenden sehr positiv aufgenommen – nicht nur als Informationsangebot, sondern auch als wertvolles Beteiligungsformat, das Transparenz schafft, Verständnis fördert und die Entwicklung der Innenstadt als gemeinsame Aufgabe der Stadtgesellschaft in den Mittelpunkt rückt.





