Aktueller Stand: Baustelle in der Badtorstraße
Riesige Rohre, aufwändige Gebäudesicherung und kleine Überraschungen aus dem Untergrund
Wer derzeit an der Baustelle in der Badtorstraße vorbeikommt, sieht: Die Arbeiten zur Erneuerung der Versorgungsleitungen und Regenwasserkanäle zum besseren Schutz vor Starkregen schreiten gut voran. Ein Blick in die Baugrube zeigt: Hier werden nicht nur ein paar Rohre ausgetauscht, hier wird die gesamte Infrastruktur grundlegend modernisiert und neu dimensioniert. In der Baugrube liegen riesige, quadratische Kanäle, die mit ihren Abmessungen von 1,30 m mal 1,00 m und sogenannte Ovale-Profile, die deutlich mehr Wasser aufnehmen können als die alten. Die neuen Kanäle machen die Straße fit für extreme Wetterereignisse, die durch den Klimawandel künftig immer häufiger auftreten werden. Im südlichen Abschnitt sind die neuen, größer dimensionierten Regen- und Schmutzwasserkanäle, die Gas- und die Wasserleitungen bereits verlegt.
Inzwischen ist die Baustelle weiter nach Norden gewandert und ist bereits kurz vor dem Rathaus angelangt. Damit rückt einer der anspruchsvollsten Abschnitte näher: der Bereich zwischen Tiffey-Haus, Marktplatz, historischem Rathaus und der Einmündung in die Marktstraße. Und genau hier steigt die Spannung.
Besondere Vorkehrungen für denkmalgeschützte Gebäude
Die Gebäude stehen hier extrem dicht an der Straße, sodass die Baugrube direkt an den historischen und denkmalgeschützten Gemäuern verlaufen muss. Um sie zuverlässig zu sichern und Schäden an den Gebäuden zu vermeiden, setzen die Fachleute auf besonders aufwändige und zugleich schonende Sicherungsmaßnahmen.
Bevor hier überhaupt an das Ausheben der Baugrube zu denken ist, wird der Untergrund aufwändig stabilisiert. Direkt vor den Häusern werden beidseitig der Straße tiefe Stahlbetonpfähle in den Boden eingebracht. Sie wirken wie ein schützendes Rückgrat, stabilisieren den Untergrund und halten so die Gebäude stabil. Zunächst wurden sogenannte Bohrschablonen gesetzt – dicht an dicht platzierte Vorbohrungen, die festlegen, wo später jeder einzelne Pfahl sitzen wird. Insgesamt 80 solcher Löcher wurden bereits vorgebohrt. Dann beginnen die eigentlichen Bohrarbeiten: Mit Wasserdruck wird das Erdmaterial aus den Bohrlöchern gelöst und nach oben gefördert.
Wenn plötzlich Wasser sprudelt
Doch im dunklen Erdreich warten manchmal auch Überraschungen: Bei den Bohrungen stießen die Arbeiter unerwartet auf eine größere Menge an Grundwasser. Plötzlich spritzte deutlich mehr Wasser aus dem Bohrloch als erwartet und verwandelte Teile der Baustelle in eine schlammige Fläche. Ein Moment, der zeigt, wie unberechenbar Arbeiten im Untergrund sein können. Eine Herausforderung – aber keine unlösbare. Das Bohrgerät und die Bohrmethode wurden technisch angepasst, um das Wasser besser unter Kontrolle zu bringen. Solche Überraschungen gehören bei Arbeiten im Untergrund dazu – entscheidend sind Flexibilität und fachkundiges Vorgehen.
Ist ein Bohrloch fertiggestellt, wird eine Stahlbewehrung eingesetzt und anschließend mit Beton ausgegossen. Nach dem Aushärten werden 6 Kopfbalken aus Stahlbeton angebracht, die die Pfähle miteinander verbinden und für maximale Stabilität sorgen. Erst wenn dieses stabile Gerüst steht, kann die eigentliche Baugrube für die großen Kanäle sicher ausgehoben werden.
Alte Pläne – neue Erkenntnisse
Auch abgesehen vom Grundwasser hielt der Untergrund beim Aufgraben der alten Leitungen noch eine weitere Überraschung bereit: Entgegen den vorhandenen Plänen verliefen die bisherigen Schmutz- und Regenwasserleitungen nicht schnurgerade entlang der Straße und unter Treppe des historischen Rathauses hindurch, sondern machten plötzlich einen Knick kurz vor der Treppe, um diese herum. Der städtische Projektleiter Michael Knöpfle kommentiert schmunzelnd: „Jetzt wissen wir auf jeden Fall, dass die Treppe schon vor den Leitungen da war.“
Wie geht es weiter?
Trotz solcher Überraschungen liegen die Arbeiten insgesamt im Zeitplan. Die Sicherungsarbeiten in diesem sensiblen Abschnitt werden voraussichtlich in den kommenden zwei Wochen abgeschlossen sein. Das anschließende Verlegen der Kanäle und Leitungen in diesem Bereich bis zur Marktstraße wird bis mindestens April andauern.
Bereits im Februar soll voraussichtlich parallel dazu im südlichen Teil der Badtorstraße mit Straßenbau und Asphaltarbeiten begonnen werden. Dieser Abschnitt wird danach wieder regulär befahrbar sein. Schon jetzt können Anlieger den unteren Bereich über die geschotterte Fahrbahn erreichen.
Anschließend rückt die Baustelle weiter:
Ab Mitte April beginnt der nächste Bauabschnitt des Großprojekts in der Marktstraße. Der Bereich zwischen der Einmündung Badtorstraße und der Lammgasse wird dann wie schon im vergangenen Sommer vollständig für den Durchgangsverkehr gesperrt. Da in diesem Bauabschnitt neben den großen Schmutz- und Regenwasserkanälen viele weitere Leitungen auf engem Raum verlegt werden müssen, ist eine Bauzeit von mehreren Monaten bis Ende August geplant – Stand heute. Die Anwohnerinnen und Anwohner der Marktstraße werden rechtzeitig gesondert informiert.
Die Stadt bittet weiterhin um Verständnis für die Einschränkungen. Hinter Zäunen, Absperrungen und Maschinen entsteht eine Infrastruktur, die die Badtor- und Marktstraße sowie den Bereich rund um den Marktplatz für lange Zeit sicherer und zukunftsfähig macht.






