Stadt im Gespräch
Am 12. November 2025 folgten rund 150 Bürgerinnen und Bürger der Einladung der Stadt Steinheim zur Einwohnerversammlung in der Bottwartalhalle. Unter dem Motto „Stadt im Gespräch“ standen Information, Austausch und Dialog im Mittelpunkt.
Schwerpunkt: Unechte Teilortswahl in Steinheim
Ein zentrales Thema des Abends war die in Steinheim praktizierte unechte Teilortswahl, deren Zukunft derzeit im Gemeinderat zur Diskussion steht.
Historische Einordnung und Ziele des Wahlsystems
Als fachliche Unterstützung waren Irmtraud Bock, Fachreferentin für Kommunalrecht und ehemalige Verwaltungsdirektorin des Gemeindetags Baden-Württemberg, sowie der Fachreferent und Leiter des Bildungswerks für Kommunalpolitik Baden-Württemberg Friedhelm Werner eingeladen. Sie erklärten, dass die unechte Teilortswahl in den 1970er-Jahren im Zuge der Gemeindereform eingeführt wurde. Sie garantiert allen Teilorten feste Sitzkontingente im Gemeinderat: Steinheim fünfzehn Sitze, Höpfigheim vier und Kleinbottwar drei. Dies sollte eine angemessene Vertretung kleinerer Ortsteile sicherstellen und das Zusammenwachsen der Stadtteile fördern – ein Prozess, der nach Einschätzung vieler Bürger:innen inzwischen weitgehend abgeschlossen ist.
Kritik am Wahlsystem
Als Hauptargument für die vielerorts diskutierte Abschaffung führten die Referenten die Komplexität des Wahlsystems an. Wählerinnen und Wähler müssen darauf achten, pro Teilort nur so viele Kandidierende zu wählen, wie Sitze garantiert sind. Dies schränke die Wahlfreiheit ein und führe häufig dazu, dass Stimmenkontingente nicht vollständig genutzt werden. Zudem sei der Anteil ungültiger Stimmen in Kommunen mit unechter Teilortswahl regelmäßig höher – auch in Steinheim. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft mögliche Ausgleichssitze, die zu größeren Gremien und höheren Kosten führen können.
Teilorte ohne unechte Teilortswahl nicht benachteiligt
Die Sorge, kleinere Ortsteile seien ohne unechte Teilortswahl schlechter vertreten, sehen die Experten nicht. Denn gesetzlich vertreten alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte – ebenso der Bürgermeister – die Interessen der Gesamtstadt. Erfahrungen anderer Kommunen zeigten zudem, dass kleinere Ortsteile nach Abschaffung der Regelung weiterhin gut repräsentiert seien, teilweise sogar stärker als zuvor. Unabhängig vom Wahlsystem bleibt die Ortschaftsverfassung mit ihren Ortschaftsräten und Ortsvorstehern bestehen. Diese behalten ihre wichtige Bedeutung für die Stadtpolitik.
Aktuelle kommunale Themen
Im Anschluss an den Themenblock präsentierte Bürgermeister Winterhalter zentrale Entwicklungen aus Stadtverwaltung und Kommunalpolitik.
Kinderbetreuung: Umzug in die Bahnhofstraße
Ein besonders aktuelles Thema war der geplante Umzug der Kindertageseinrichtungen Stein- und Schulstraße in die neue Einrichtung über dem Aldi-Gebäude in der Bahnhofstraße. Diese war ursprünglich als zusätzliches Angebot vorgesehen. Aufgrund rückläufiger Geburtenzahlen und sinkender Anmeldungen in der Ganztagsbetreuung könne sie jedoch nur bei einer Verlagerung bestehender Gruppen vollständig belegt werden. Da die Einrichtungen in der Stein- und Schulstraße aufgrund eines schlechten Gebäudezustandes, schlechter energetischer Werte sowie mangelnder Barrierefreiheit umfassend saniert und umgebaut werden müssten, entschied der Gemeinderat, diese Kosten durch einen Umzug einzusparen und damit den angespannten Haushalt zu entlasten. Die neue Einrichtung bietet moderne Rahmenbedingungen: klimatisierte Räume, einen ca. 800 qm² großen Dach-Außenbereich, Platz für Bewegungs- und Spiellandschaften sowie eine hohe Aufenthaltsqualität für Kinder und Mitarbeitende.
Innenstadtentwicklung und städtische Bauprojekte
Ein Schwerpunkt der Präsentation war die Innenstadtentwicklung. Bürgermeister Winterhalter erklärte, dass das alte Rathaus ein akuter Sanierungsfall sei und der Neubau dringend erforderlich. Mit dem neuen Planungsteam soll nun der Baubeschluss erreicht werden, damit die Arbeiten im Laufe des Jahres 2026 beginnen können.
Projekt „Gästehaus Lamm“
Auch das Bauprojekt „früheres Gästehaus Lamm“ wird ab 2026 baulich umgesetzt. Dort entstehen sechs Wohnungen sowie sieben Apartments für Steinheimer Auszubildende. Im Rahmen der Initiative „Junges Wohnen“ zur Schaffung von Wohnraum für Auszubildende erhielt die Verwaltung hierfür bereits eine Förderzusage in Höhe von 372.000 Euro.
Schnaidt-Areal
Auf dem Schnaidt-Areal starten ebenfalls bald die ersten Maßnahmen. Geplant sind Wohnungen der Bietigheimer Wohnbau GmbH, betreutes Wohnen und Tagespflege der Kleeblatt-GmbH, ein neuer Polizeiposten sowie Arztpraxen und eine gastronomische Nutzung.
Kulturzentrum Klosterkelter
Bürgermeister Winterhalter hob insgesamt die Bedeutung einer effizienteren Nutzung städtischer Gebäude als zentrales Ziel der Innenstadtentwicklung hervor. Eine Machbarkeitsstudie des Büros sutter³ aus dem Jahr 2023 empfiehlt die Klosterkelter als Standort für ein Kulturzentrum, das Kultur-, Bildungs- und Veranstaltungsangebote bündeln würde – mit positiven Effekten auf die Innenstadtbelebung, eine effizientere Nutzung und die Betriebskosten. Nur durch eine solche Bündelung der kulturellen Angebote, die alle Freiwilligkeitsleistungen darstellen, könnten diese langfristig gesichert und erhalten bleiben, betonte Winterhalter. Für die Umsetzung werden jedoch umfangreiche Fördergelder benötigt.
Zukunft der Blankensteinhalle
Auf eine Publikumsfrage zur Blankensteinhalle erklärte Winterhalter, dass eine Sanierung aus finanziellen Gründen nicht möglich sei. Die Halle solle so lange wie möglich betrieben werden. Perspektivisch könnten andere Räumlichkeiten, etwa die Kelter, als Veranstaltungsort dienen.
Weitere Schritte zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung
Mit dem Ausbau des Wärmenetzes, der Anfang dieses Jahres startete, sowie der kommunalen Wärmeplanung hat sich Steinheim auf den Weg gemacht, hin zu einer klimaneutral gestalteten Wärmeversorgung, die bis 2040 umgesetzt werden soll.
Glasfaserausbau
Dank umfangreicher Fördergelder konnte auch der Glasfaserausbau in den Außengebieten in 2025 spürbar vorangetrieben werden.
Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern
Nach der Präsentation der aktuellen Projekte hatten die Bürger:innen Gelegenheit, Fragen an die Stadtverwaltung zu stellen.
Thema Sozialstaffelung der Kita-Gebühren
Unter anderem wurde dabei von den Elternbeiratsvorsitzenden die geplante Anpassung der Sozialstaffelung bei den Kindergartengebühren thematisiert. Sie befürchten höhere Belastungen für einzelne Familien. Bürgermeister Winterhalter und die Amtsleiterin Ramona Senghaas erläuterten, dass die Kommunalaufsicht die Stadt verpflichtet habe, den Kostendeckungsgrad kommunaler Leistungen zu erhöhen. Daher habe die Verwaltung eine in anderen Kommunen etablierte, alternative Sozialstaffelung geprüft und dem Gemeinderat zur Beratung vorgelegt. Vor einer Entscheidung würden jedoch die Elternbeiräte angehört.
Austausch mit der Verwaltung und den Fraktionen
Nach Vortrag und Diskussion nutzten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich an Stellwänden detailliert zu informieren und direkt mit Mitarbeitenden der Verwaltung sowie den Gemeinderatsfraktionen, die sich ebenfalls an einzelnen Stationen präsentierten, ins Gespräch zu kommen.
Die Stadtverwaltung dankt allen Anwesenden für ihr Interesse und den konstruktiven Austausch und freut sich über das positive Feedback zur Veranstaltung.



