Die kommunale Wärmeplanung in Steinheim
Die Stadt Steinheim an der Murr hat im Oktober 2024 eine Förderzusage des Landes Baden-Württemberg für die Erstellung eines kommunalen Wärmeplans erhalten. Damit zählt Steinheim zu den Vorreitern im Land, die sich frühzeitig auf den Weg zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung machen. Der Wärmeplan umfasst sowohl die Kernstadt als auch die Ortsteile Höpfigheim und Kleinbottwar, und erfüllt schon heute die gesetzlichen Vorgaben, die ab 2028 für alle Kommunen verpflichtend werden. Mit der Ausarbeitung wurde das ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH beauftragt. Ziel des Projekts ist es, Wege aufzuzeigen, wie die Wärmeversorgung in Steinheim bis 2040 klimaneutral gestaltet werden kann. Die Erarbeitung des Wärmeplans dauert rund ein Jahr und wird bis Ende 2025 fertiggestellt sein.
Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Interessengruppen wurden aktiv in die Erarbeitung des Wärmeplans einbezogen. Dazu gab es im Laufe des Jahres zwei öffentliche Veranstaltungen, bei denen das ifeu den aktuellen Stand der Wärmeplanung vorstellte und für Fragen sowie Feedback zur Verfügung stand. Die Präsentationsfolien der Veranstaltungen sind auf dieser Seite unter Beteiligungs- und Informationsveranstaltungen zu finden.
Was ist die kommunale Wärmeplanung?
Über die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs entfällt auf Wärme, meist aus fossilen Quellen. Daher ist die Wärmewende entscheidend für Klimaneutralität, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Ein kommunaler Wärmeplan dient als strategischer Fahrplan, um bis 2040 eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen. Er zeigt, wie der Wärmebedarf gesenkt und der verbleibende Bedarf mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Es werden dabei alle Gebäude in der Kommune betrachtet und verschiedene Akteure miteingebunden.
Die Erstellung des Wärmeplans erfolgt in vier Schritten:
Bestandsanalyse: Erfassung des aktuellen Wärmeverbrauchs, der Emissionen und der Versorgungsstruktur.
Potenzialanalyse: Untersuchung von Einspar- und Nutzungspotenzialen (erneuerbare Energien, Abwärme, Kraft-Wärme-Kopplung).
Zielszenario 2040: Entwicklung eines klimaneutralen Zukunftsbilds mit Zwischenschritt 2030.
Lokale Wärmewendestrategie: Konkrete Maßnahmen, Prioritäten und Zeitplan.
Das Ergebnis zeigt, wo zentrale Wärmenetze und wo dezentrale Lösungen (z.B. Wärmepumpen) sinnvoll sind. Das schafft Klarheit und Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger, die wissen möchten, wie sie ihre Gebäude in Zukunft umweltfreundlich, zuverlässig und bezahlbar mit Wärme versorgen können und für die Stadtverwaltung, denn der Wärmeplan bildet die Grundlage für konkrete Projekte wie Machbarkeitsstudien und den Aufbau kommunaler Wärmenetze.
Beteiligungs- und Informationsveranstaltungen
Mai 2025: Bestands- und Potentialanalyse
Am 07.05.2025 fanden sich rund 50 Interessierte in der Blankensteinhalle zusammen, um sich zum aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung in Steinheim zu informieren. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Winterhalter stellte das ifeu Heidelberg die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse vor.
Bei der Bestandsanalyse wurden Wärmebedarfe und -verbräuche, Informationen zu Gebäudetypen und Baualtersklassen sowie Treibhausgasemissionen und die Versorgungsstruktur erfasst. Die Untersuchung ergab u.a., dass die Gebäude in Steinheim, Kleinbottwar und Höpfigheim einen Wärmebedarf von 89 GWh haben, der aktuell zu 53% mit Gas und 30% mit Öl gedeckt wird. Die Hälfte des Gebäudebestands wurde vor 1978 gebaut und verspricht damit viel Potenzial zur Einsparung durch energetische Sanierungen.
In der Potenzialanalyse wurden sowohl Potenziale zur Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien, Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung als auch Potenziale zur Senkung des Wärmebedarfs durch die Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden untersucht. Für Steinheim bedeutet das, dass der Wärmebedarf bis 2040 durch Sanierungen und die Umstellung auf effizientere Heizlösungen, um 30% gesenkt werden soll. Zusätzlich sollen die lokalen erneuerbaren Potenziale geprüft und genutzt werden, die in der Solarthermie, Photovoltaik, Gewässer- und Umweltwärme, oberflächennahen Geothermie und in der Wärmespeicherung liegen.
Die Präsentationsfolien der Veranstaltung können Sie hier herunterladen (PDF-Dokument, 5,73 MB, 28.04.2025).
September 2025: Zielszenario und Wärmewendestrategie
Am 29. September 2025 fand in der Blankensteinhalle die zweite Informations- und Beteiligungsveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung in Steinheim statt. Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren.
Nach einem Rückblick auf die erste Veranstaltung im Mai, bei der das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH die Vorgehensweise sowie die Ergebnisse aus der Bestands- und Potenzialanalyse präsentierte, standen diesmal die Methodik und Ergebnisse der Szenario-Entwicklung im Fokus. Zudem wurde die geplante Umsetzungsstrategie vorgestellt, mit der das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 erreicht werden soll.
Im Anschluss an die Präsentationen bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in eine Diskussion einzutreten. Die Stadt Steinheim bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten für das Interesse und die engagierte Teilnahme.
Die Präsentationsfolien der Veranstaltung stehen hier zum Nachlesen (PDF-Dokument, 7,85 MB, 01.10.2025) zur Verfügung. Eine Übersicht des Zielbilds, zusammengefasst auf eine Seite, finden Sie hier (PDF-Dokument, 324,24 KB, 12.11.2025).
Förderung der kommunalen Wärmeplanung
Die Erstellung des kommunalen Wärmeplans für die Steinheimer Kernstadt sowie die Stadtteile Höpfigheim und Kleinbottwar wird gemäß Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zur Förderung der kommunalen Wärmeplanung in Landkreisen und Gemeinden vom 15. September 2021 gefördert.
Damit gehört Steinheim zu den Vorreiterkommunen in Baden-Württemberg, die die Erstellung eines gemäß Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze vom 20. Dezember 2023 bis zum Ablauf des 30. Juni 2026 bzw. 30. Juni 2028 verpflichtend anzufertigenden Wärmeplans frühzeitig sowie gefördert mit Landesmitteln initiiert haben.
