Die kommunale Wärmeplanung in Steinheim
Steinheim an der Murr hat Ende 2025 den kommunalen Wärmeplan für die Kernstadt sowie die Ortsteile Höpfigheim und Kleinbottwar fertiggestellt. Damit erfüllt die Stadt bereits heute die gesetzlichen Vorgaben, die ab 2028 für alle Kommunen verpflichtend werden. Mit der Ausarbeitung wurde das ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH beauftragt. Ziel des Projekts war es, Wege aufzuzeigen, wie die Wärmeversorgung in Steinheim bis 2035 klimaneutral gestaltet werden kann.
Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Interessengruppen wurden aktiv in die Erarbeitung des Wärmeplans einbezogen. Dazu gab es zwei öffentliche Veranstaltungen, bei denen das ifeu den aktuellen Stand der Wärmeplanung vorstellte und für Fragen sowie Feedback zur Verfügung stand. Die Präsentationsfolien der Veranstaltungen sind auf dieser Seite unter Beteiligungs- und Informationsveranstaltungen zu finden.
Was ist die kommunale Wärmeplanung?
Über die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs entfällt auf Wärme, meist aus fossilen Quellen. Daher ist die Wärmewende entscheidend für Klimaneutralität, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Ein kommunaler Wärmeplan dient als strategischer Fahrplan, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen. Er zeigt, wie der Wärmebedarf gesenkt und der verbleibende Bedarf mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Es werden dabei alle Gebäude in der Kommune betrachtet und verschiedene Akteure miteingebunden.
Die Erstellung des Wärmeplans erfolgt in vier Schritten:
Bestandsanalyse: Erfassung des aktuellen Wärmeverbrauchs, der Emissionen und der Versorgungsstruktur.
Potenzialanalyse: Untersuchung von Einspar- und Nutzungspotenzialen (erneuerbare Energien, Abwärme, Kraft-Wärme-Kopplung).
Zielszenario 2035: Entwicklung eines klimaneutralen Zukunftsbilds mit Zwischenschritt 2030.
Lokale Wärmewendestrategie: Konkrete Maßnahmen, Prioritäten und Zeitplan.
Das Ergebnis zeigt, wo zentrale Wärmenetze und wo dezentrale Lösungen (z.B. Wärmepumpen) sinnvoll sind. Das schafft Klarheit und Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger, die wissen möchten, wie sie ihre Gebäude in Zukunft umweltfreundlich, zuverlässig und bezahlbar mit Wärme versorgen können und für die Stadtverwaltung, denn der Wärmeplan bildet die Grundlage für konkrete Projekte wie Machbarkeitsstudien und den Aufbau kommunaler Wärmenetze.
Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung in Steinheim
Durch Erhebung des aktuellen Bestands sowie der energetischen Potentiale in Steinheim wurde ein klimaneutrales Zielbild für das Jahr 2035 entwickelt. Das Zielbild umfasst die Reduktion des Wärmebedarfs durch energetische Sanierung und die Substitution fossiler Energie durch erneuerbare Wärme.
Im Rahmen der vollständigen Dekarbonisierung des Wärmesektors werden künftig zwei Versorgungsarten dominieren: dezentrale Wärmepumpen und multivalente Wärmenetze. Das Gemarkungsgebiet wurde hierfür je nach Eignung, wie in der beigefügten Abbildung dargestellt, in verschiedene Versorgungsgebiete eingeteilt.
Die Wärmewendestrategie umfasst eine Maßnahmenliste zur zielgerichteten Transformation der Wärmeversorgung in Steinheim bis 2035. Die Maßnahmen sind den folgenden Handlungsfeldern zugeordnet: Reduktion des Energiebedarfs, Steigerung der Energieeffizienz, Dekarbonisierung der Energieversorgung und Übergreifendes.
Um die Transformation zum Zielszenario einzuleiten, wurden die nachfolgenden sechs Maßnahmen priorisiert.
Der vollständige Abschlussbericht steht hier zum Download (PDF-Dokument, 6,09 MB, 20.07.2026) bereit.
Maßnahme 1 - Machbarkeitsstudie zum Wärmenetz in der Kernstadt
Die Machbarkeitsstudie prüft Erweiterungen des bestehenden Wärmenetzes Steinheim Nord-West innerhalb der Kernstadt. Alternativ wird der Bau eines unabhängigen neuen Wärmenetzes in der Altstadt betrachtet. In der Machbarkeitsstudie werden zur Versorgung des Wärmenetzes lokal verfügbare Wärmepotenziale untersucht, insbesondere Gewässer-Umweltwärme aus der Murr und Solarthermie in Verbindung mit einem saisonalen Wärmespeicher sowie ggf. Abwasser.
Der Fokus der Machbarkeitsstudie liegt neben der technischen Untersuchung auch auf der wirtschaftlichen Betrachtung, um eine möglichst umsetzungsorientierte Planung sicherzustellen. Die Machbarkeitsuntersuchung liefert eine solide Entscheidungsgrundlage zur Priorisierung des Ausbaus des Wärmenetzes und der
hierfür notwendigen Wärmeerzeugung in der Steinheimer Kernstadt.
Maßnahme 2 - Bürgerbeteiligungsformate zur Untersuchung der Prüfgebiete
Prüfgebiete sind Gebiete, in denen zum gegenwärtigen Stand noch nicht abschließend bestimmt werden kann, welche Wärmeversorgung (netzgebundene oder dezentrale) die wirtschaftlichste, technisch sinnvollste und zugleich die Option mit der höchsten Realisierungswahrscheinlichkeit darstellt. Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung wurden drei Prüfgebiete in Kleinbottwar, Höpfigheim und im Industriegebiet identifiziert. Um langwierige Fehlplanungen zu vermeiden, sollen die Gebäudeeigentümer:innen frühzeitig über zentrale als auch dezentrale Wärmeversorgungsoptionen informiert werden. Durch Beteiligungsformate werden Bedarfe, Interessen und mögliche Mitwirkungsbereitschaft frühzeitig berücksichtigt. Dies ermöglicht Wärmeversorgungslösungen zu erarbeiten, die eine hohe lokale Akzeptanz aufweisen.
Abhängig von den erarbeiteten Wärmeversorgungslösungen werden weitere Handlungsschritte definiert, dies könnte z.B. eine Wärmenetz- Machbarkeitsstudie oder individuelle Beratungen zum Heizungstausch sein.
Maßnahme 3 - Erhebung Anschlussinteresse Wärmenetz Kernstadt
Die Erhebung des unverbindlichen Anschlussinteresses dient dazu, den Wärmebedarf und das Interesse von Haushalten, Unternehmen und weiteren Verbrauchern zur Anbindung an ein (bestehendes oder geplantes) Wärmenetz zu erfassen. Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Planung, Dimensionierung und Wirtschaftlichkeitsbewertung von Wärmenetzen und unterstützen eine bedarfsgerechte sowie sozialverträgliche Entwicklung der lokalen Wärmeversorgung.
Maßnahme 4 - Bürgerinformations- und Beratungsstrategie
Zur Stärkung der Wissens- und Entscheidungsgrundlagen von privaten Haushalten, Unternehmen und lokalen Akteuren wird eine Informations- und Beratungsstrategie entwickelt und umgesetzt. Schwerpunktthemen sind die energetische Gebäudesanierung und die erneuerbare Wärmeversorgung. Die Maßnahme trägt dazu bei, Transparenz zu erhöhen, bestehende Hemmnisse abzubauen und fundierte Investitions- und Verhaltensentscheidungen zu ermöglichen.
Maßnahme 5 - Heizungstauschstrategie für die kommunalen Gebäude
Aktuell werden die kommunalen Gebäude vorwiegend mit Gasheizungen beheizt. Es wird eine Heizungsstrategie erarbeitet mit dem Ziel, die fossilen Heizungen bis zum Jahr 2035 zu ersetzen. In einer systematischen Untersuchung werden die aktuellen Heizungssysteme erfasst und erneuerbare Heizungsoptionen aufgezeigt. Zusätzlich sollen Fördermöglichkeiten und die Wirtschaftlichkeit der Heizungstausche untersucht werden. Es erfolgt eine Priorisierung für den Heizungstausch der kommunalen Gebäude unter Berücksichtigung der verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen. Bei der Sanierung kommunaler Gebäude werden energetische Sanierungsmaßnahmen der Gebäudehülle untersucht und sofern wirtschaftlich, umgesetzt. Durch die energetische Modernisierung kommunaler Liegenschaften leistet die Stadt einen Beitrag zur Erreichung ihrer Klimaschutzziele und nimmt zugleich ihre Vorbildfunktion als öffentliche Hand wahr.
Maßnahme 6 Transformationsplan Gasnetz
Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sind keine Wasserstoffeignungsgebiete ausgewiesen, da gasgebundene Energieträger in der dezentralen Wärmeversorgung nach aktueller Auffassung keine wirtschaftliche respektive planungssichere Option darstellen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine belastbaren Kostenannahmen für eine mögliche Gasnetztransformationen vor, die in die Szenarien mit eingebracht werden könnten. Darüber hinaus werden aus technischer Sicht Wasserstoffbeimischungen oberhalb der heute zulässigen Grenzen nicht als belastbare Grundlage für Planungsszenarien betrachtet. Der Transformationsplan analysiert den aktuellen Zustand und die zukünftige Auslastung des Gasnetzes, bewertet technische sowie wirtschaftliche Optionen und definiert klare Entwicklungspfade für den Rückbau, die Umnutzung oder die gezielte Weiterführung einzelner Netzabschnitte. Unter Berücksichtigung lokaler Wärmebedarfe, geplanter Wärmenetze, Effizienzmaßnahmen und alternativer Versorgungslösungen ermöglicht der Transformationsplan eine verlässliche Grundlage für Investitionsentscheidungen in das Gasverteilnetz. Gleichzeitig unterstützt er Gebäudeeigentümer:innen bei der geordneten, sozialverträglichen und kosteneffizienten Umstellung der Wärmeversorgung.
Beteiligungs- und Informationsveranstaltungen
Mai 2025: Bestands- und Potentialanalyse
Am 07.05.2025 fanden sich rund 50 Interessierte in der Blankensteinhalle zusammen, um sich zum aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung in Steinheim zu informieren. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Winterhalter stellte das ifeu Heidelberg die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse vor.
Bei der Bestandsanalyse wurden Wärmebedarfe und -verbräuche, Informationen zu Gebäudetypen und Baualtersklassen sowie Treibhausgasemissionen und die Versorgungsstruktur erfasst. Die Untersuchung ergab u.a., dass die Gebäude in Steinheim, Kleinbottwar und Höpfigheim einen Wärmebedarf von 89 GWh haben, der aktuell zu 53% mit Gas und 30% mit Öl gedeckt wird. Die Hälfte des Gebäudebestands wurde vor 1978 gebaut und verspricht damit viel Potenzial zur Einsparung durch energetische Sanierungen.
In der Potenzialanalyse wurden sowohl Potenziale zur Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien, Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung als auch Potenziale zur Senkung des Wärmebedarfs durch die Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden untersucht. Für Steinheim bedeutet das, dass der Wärmebedarf bis 2040 durch Sanierungen und die Umstellung auf effizientere Heizlösungen, um 30% gesenkt werden soll. Zusätzlich sollen die lokalen erneuerbaren Potenziale geprüft und genutzt werden, die in der Solarthermie, Photovoltaik, Gewässer- und Umweltwärme, oberflächennahen Geothermie und in der Wärmespeicherung liegen.
Die Präsentationsfolien der Veranstaltung können Sie hier herunterladen (PDF-Dokument, 5,73 MB, 28.04.2025).
September 2025: Zielszenario und Wärmewendestrategie
Am 29. September 2025 fand in der Blankensteinhalle die zweite Informations- und Beteiligungsveranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung in Steinheim statt. Rund 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand des Projekts zu informieren.
Nach einem Rückblick auf die erste Veranstaltung im Mai, bei der das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH die Vorgehensweise sowie die Ergebnisse aus der Bestands- und Potenzialanalyse präsentierte, standen diesmal die Methodik und Ergebnisse der Szenario-Entwicklung im Fokus. Zudem wurde die geplante Umsetzungsstrategie vorgestellt, mit der das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 erreicht werden soll.
Im Anschluss an die Präsentationen bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in eine Diskussion einzutreten. Die Stadt Steinheim bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten für das Interesse und die engagierte Teilnahme.
Die Präsentationsfolien der Veranstaltung stehen hier zum Nachlesen (PDF-Dokument, 7,85 MB, 01.10.2025) zur Verfügung. Eine Übersicht des Zielbilds, zusammengefasst auf eine Seite, finden Sie hier (PDF-Dokument, 324,24 KB, 12.11.2025).
Förderung der kommunalen Wärmeplanung
Die Erstellung des kommunalen Wärmeplans für die Steinheimer Kernstadt sowie die Stadtteile Höpfigheim und Kleinbottwar wird gemäß Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zur Förderung der kommunalen Wärmeplanung in Landkreisen und Gemeinden vom 15. September 2021 gefördert.
Damit gehört Steinheim zu den Vorreiterkommunen in Baden-Württemberg, die die Erstellung eines gemäß Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze vom 20. Dezember 2023 bis zum Ablauf des 30. Juni 2026 bzw. 30. Juni 2028 verpflichtend anzufertigenden Wärmeplans frühzeitig sowie gefördert mit Landesmitteln initiiert haben.

