Renaturierung der Bottwar
Das Gewässer wird naturnah umgestaltet und ökologisch aufgewertet
Die Stadt Steinheim renaturiert derzeit die Bottwar auf Höhe der ehemaligen Mühle zwischen Kleinbottwar und Steinheim. Mit dem Rückbau eines alten Wehrs und der Umgestaltung des Bachlaufs wird der Fluss wieder durchgängig und naturnah gestaltet.
So entstehen neue Lebensräume für Fische, Amphibien, Insekten und Pflanzen. Auch der Hochwasserschutz wird verbessert, da der Bach künftig breiter und vielfältiger fließt. Das Projekt umfasst rund 180 Meter Gewässerlauf und kostet etwa 240.000 Euro, wovon ein Großteil durch Fördermittel abgedeckt wird. Bis Mitte September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Für alle die mehr wissen möchten
Wer derzeit auf der Straße von Kleinbottwar nach Steinheim auf Höhe der ehemaligen Mühle unterwegs ist, sieht eine große Baustelle: Bäume und Sträucher wurden zurückgeschnitten und ein Bagger steht am Bach. Doch keine Sorge – hier wird nichts zerstört, sondern ein städtisches Renaturierungsprojekt durchgeführt, das lange geplant und sorgfältig abgestimmt wurde. Ziel der Stadt Steinheim ist es, die Bottwar ökologisch aufzuwerten und wieder näher an ihren natürlichen Zustand heranzuführen.
Warum wird gebaut?
Die Bottwar ist für viele Tiere ein wichtiger Verbindungsweg zwischen der Murr und ruhigeren Nebengewässern im Oberlauf, wie dem Söhlbach oder der Kurzach. Vor allem junge Fische brauchen diese kleineren, ruhigen und sauerstoffreichen Gewässer. Nur in diesen Lebensräumen können sie überleben und heranwachsen, daher wandern viele Fischarten zum Laichen flussaufwärts bis in die kleineren Bäche.
An der jetzigen Baustelle stand bislang ein altes Betonwehr, das einst den Betrieb der Mühle sicherte. In den 1960er-Jahren wurde daneben zwar ein Seitenarm mit Fischtreppe angelegt, doch diese entsprach längst nicht mehr den heutigen ökologischen Anforderungen: zu steil, zu eng und zu kurz. Nur wenige Arten wie die Forelle konnten sie überwinden – viele andere Wasserbewohner scheiterten.
Nun wurde das Wehr mitsamt der alten Rampe komplett entfernt. Dafür mussten enorme Mengen Beton aus dem Bach gebaggert werden. Mit diesem Rückbau verschwindet das letzte große Hindernis in der Bottwar. Künftig ist sie durchgängig passierbar – für alle Fischarten ebenso wie für zahlreiche Kleinlebewesen.
Neuer Lebensraum und besserer Schutz
Die Renaturierung geht jedoch weit über den Rückbau hinaus. Unterschiedliche Wassertiefen und variierte Fließgeschwindigkeiten sollen geschaffen werden. Dazu wird die bislang sehr steile südöstliche Uferseite abgeflacht, während das Bachbett stärker geschwungen gestaltet wird. So entstehen nicht nur vielfältige Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Amphibien und Fische – auch der Mindestwasserabfluss wird optimiert. Gerade in trockenen Sommern ist dies entscheidend, damit keine Bereiche austrocknen oder isolierte Tümpel entstehen, in denen Tiere verenden könnten.
Die neuen Böschungen werden mit Weiden und sogenannten Raubäumen gesichert, die eine positive Wirkung auf die Uferbefestigung und die Struktur des Gewässers haben. So können sich hier bald wieder typische Uferpflanzen, Insekten und Amphibien ansiedeln. Auch die bestehende Mittelinsel erhält durch die Umgestaltung die Chance, sich zu einem eigenen Biotop zu entwickeln. Gleichzeitig sorgt der breitere Bachquerschnitt dafür, dass Hochwasser künftig besser und sicherer abfließen kann.
Zur weiteren Förderung der Fließdynamik werden Buhnen und größere Steingruppen eingebaut. Diese erzeugen Zonen mit stärkerer Strömung – wichtig nicht nur für die Gewässerstruktur, sondern auch für wandernde Fische, die sich an der Strömung orientieren und so verlässlich in durchgängige, wasserführende Bereiche gelangen.
Aufwändige Vorbereitung des Projekts
Die Umsetzung dieses umfangreichen Vorhabens erforderte einen langen Vorlauf. Schon früh wurde eng mit der Naturschutzbehörde des Landratsamts sowie dem Fischereibeauftragten des Regierungspräsidiums zusammengearbeitet. Nach der Genehmigung musste zudem die Förderung gesichert werden. „Zum Glück haben wir den Antrag rechtzeitig gestellt – inzwischen fließen staatliche Fördergelder kaum noch in Renaturierungsprojekte, sondern vor allem in Maßnahmen zum Starkregenmanagement“, erklärt der städtische Umweltbeauftragte und Projektleiter Eric Hirsch.
Nachdem der Gemeinderat im Herbst 2024 zugestimmt hatte, konnten die Vorbereitungen beginnen. So wurden bereits im Winter an dem Uferbereich, der abgeflacht werden soll, Bäume und Sträucher entfernt.
Für die Uferbefestigung werden Weidenruten benötigt, die frisch geschnitten sein müssen, damit sie schnell anwurzeln. Deshalb erfolgte der Schnitt erst kurz vor Baubeginn – ungewöhnlich im Sommer, aber nach einer sorgfältigen Prüfung der Umweltbehörde auf brütende Vögel vertretbar.
Damit möglichst wenige Tiere durch die Maßnahme gestört werden, wurde im Vorfeld eine Elektrobefischung durchgeführt. Mit dieser schonenden Angelmethode, bei der die Tiere nur kurz betäubt werden, wurden 129 Fische vorübergehend abgefischt und oberhalb der Baustelle wieder eingesetzt – darunter 80, die zuvor an der alten Fischtreppe gescheitert waren. Die Bestandsaufnahme zeigte deutlich, wie nötig die Maßnahme ist: Oberhalb des Wehrs glich die Bottwar eher einem stehenden Gewässer, mit viel Schlamm, wenig Bewegung und in dem nur Kleinfische und ein einzelner Aal gefunden wurden.


